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Pressemitteilung / Interview - 29.07.2022

Hitze – was tun?

Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Umweltmedizinerin an der Medizinischen Fakult?t der Universit?t Augsburg, beantwortet im Interview Fragen dazu, wie Menschen mit Hitze umgehen k?nnen und was die Politik tun muss

L?ngere Hitzephasen geh?ren zu den Folgen eines Klimawandels, die unsere Gesundheit genau wie die Natur und Landwirtschaft direkt betreffen. Wie Menschen am besten mit Hitze umgehen k?nnen und welche Ma?nahmen seitens der Politik n?tig sind, fasst Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Umweltmedizinerin an der Medizinischen Fakult?t der Universit?t Augsburg im Interview zusammen.
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Technische Universit?t München

Wer ist besonders durch Hitze gef?hrdet?

Besonders gef?hrdet sind die vulnerablen Gruppen: ?ltere Menschen, S?uglinge und Kleinkinder. Und natürlich auch Vorerkrankte. Aber auch gesunde, fitte Menschen sind gef?hrdet, n?mlich die Gefahr zu untersch?tzen. Immer wieder werden Menschen in die Notaufnahme eingeliefert, die trotz hoher Temperaturen intensiv Sport treiben, stundenlang Rasen m?hen oder in der prallen Sonne ausgiebig Arbeiten im Freien durchführen. Der menschliche K?rper, mag er noch so fit und gesund sein, kann sich nicht unbegrenzt selbst kühlen – hier ist gesunder Menschenverstand gefragt.

Was kann ich pers?nlich tun, um Hitzewellen gut zu überstehen?

Die meisten Dinge, die helfen sich vor Hitze zu schützen, sind sehr einfach. Lüften Sie in der Nacht, um Kühle in die Wohn- und Arbeitsr?ume zu lassen und schlie?en Sie Fenster und ggf. Jalousien tagsüber, um die W?rme auszusperren. Gehen Sie anstrengenden T?tigkeiten nicht in praller Mittagshitze nach oder treiben Sie Sport in den frühen Morgenstunden oder am sp?ten Abend. Trinken Sie ausreichend, am besten jede Stunde ein Glas Wasser, in etwa 2,5 – 3 l pro Tag. Wasser oder ungesü?te Tees sind am geeignetsten. Nehmen Sie leichte Mahlzeiten zu sich: Obst, Gemüse und Salat sind ideal – fette Speisen belasten eher. Auch Salziges wie etwa Salzstangen k?nnen helfen, den Elektrolythaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wenn Sie viel geschwitzt haben. Lauwarme Duschen oder ein Sprühnebel auf der Haut schaffen Kühlung und erleichtern eventuell das Einschlafen bei hohen Temperaturen.

Langfristig hilft auch, das Umfeld zu begrünen – B?ume wirken wie Klimaanlagen.

Sind wir hier in Deutschland generell gewappnet für die kommende Hitze?

Nein, leider sind wir das momentan noch nicht. Frankreich hat nach dem Hitzesommer 2003 reagiert und Pl?ne in Kraft gesetzt, die nun die Bev?lkerung umfassend im Falle einer Hitzeperiode schützen. Jeder wei?, was er im Fall der F?lle zu tun hat und die Zahl der Hitzetoten ist daraufhin dramatisch gesunken. In Deutschland sind wir leider noch nicht so weit. Die diesj?hrige, sehr langanhaltende Hitze trifft uns quasi unvorbereitet, als ob wir noch nicht glauben wollten, dass es bei uns hei? ist, sogar sehr hei? im Sommer. Die Gefahr wird noch immer, zum Teil auch in der ?rzteschaft, untersch?tzt. Andererseits ist viel in Bewegung gekommen. Ich arbeite z.B. an der Erstellung eines Hitzeschutzplanes des Freistaates Bayern mit und nicht zuletzt die umfangreiche Berichterstattung bringt den Menschen die Dringlichkeit n?her. Zum jetzigen Zeitpunkt jedoch sind wir hier weder institutionell oder individuell ausreichend vorbereitet oder geschützt. Dramatische Szenen k?nnten die Folge sein.

Was muss die Politik ver?ndern?

Das naheliegendste in puncto Hitzeschutz ist zun?chst ein Plan. Jeder sollte wissen, auf was bei Hitze zu achten ist: als Lehrer, als Nachbarin, als ?rztin, als Vater, als Altenpfleger oder Bürgermeisterin. Wo wohnen in der Kommune ?ltere Menschen in Dachgeschosswohnungen? Wer muss an kühlere Orte gebracht werden? Ab wann gibt es dann einfach keine Bundesjugendspiele mehr? Sehr viele weitere Ma?nahmen sind nur mittel- und langfristig umsetzbar. Der Umbau der St?dte zu grünen, nachhaltigen Orten, Schwammst?dten z.B., die den sogenannten ?Hitzeinseleffekt“ abmildern oder vermeiden, ist eine l?ngerfristige, sehr kostenintensive Notwendigkeit. Und, von seiten der Politik unabdingbar: die Vermeidung von Emissionen und die Einhaltung der Klimaziele müssen jetzt einfach Priorit?t 1 haben. Es geht nicht mehr ?nur“ um den Eisb?ren, es geht schon lange um uns selbst.

Wissenschaftliche Ansprechperson

Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann
Lehrstuhlinhaberin
Umweltmedizin

Medienkontakt

Dr. Manuela Rutsatz
Pressesprecherin, Leitung
Stabsstelle Kommunikation & Marketing

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